Urlaub

in den "Goldenen Zwanzigern"

In der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre konnte sich in Deutschland dank des amerikanischen Kapitals, das ab 1924 in die deutsche Wirtschaft floß, ein gewisser Wohlstand entwickeln. Für Teile der Bevölkerung war auch ein bescheidener Urlaub im bayerischen Oberland oder in den Bergen möglich, was sich in einigen Karikaturen von Emil Kneiß widerspiegelte.

Urlaub 1928

Auch die Minister und Abgeordneten leisteten sich einen Urlaub und überließen das Regieren: dem Volk!

Dem bescheidenen Wohlstand entsprechend nahm auch der Individualverkehr zu. Emil Kneiß sah vorausblickend so viele Autos auf den Landstraßen, dass Fußgänger (inklusive Polizist  und Deliquent) und Tiere auf die Telegrafendrähte zur Fortbewegung ausweichen müssten. Nur wer über viel Geld verfügte, dem standen auch Zeppelin und Flugzeug zur Verfügung.

 


Urlaub 1929 und eine ernste Mahnung

Der Tod geht durch die Lande
Und erntet da und dort –
Im neuen Zeit-Gewande
Holt er die Menschen fort.

Mit knatternden Motoren
Jagt er los auf sein Ziel,
Als hätt‘ er sich geschworen,
Was er erreichen will.

 

Die Rücksicht auf den andern
Gar häufig dabei fehlt,
Wo kann man heut noch wandern
In Ruh‘ auf dieser Welt?

Pressieren tut’s halt immer
– Auch wenn’s gar nicht pressiert –
Pressieren tut es nimmer,
Ist erst etwas passiert.

Wir brauchen keine Seuchen,
Auch keinen Krieg mehr führen,
Wir tun heut durchs „Derrennen“
Schon genug Leut‘ verlier’n.

 

Diese beiden Urlauber können sich von ihrer Arbeit nicht wirklich trennen!

 

Und diese beiden wollen gar nicht in den Urlaub fahren!

 


Urlaub 1930

Bei dem in der Karikatur genannten Gasthof  „Zur schönen Aussicht“ handelt es sich sehr wahrscheinlich um den Gasthof gleichen Namens in Kleinhöhenrain (bei Feldkirchen/Westerham), denn Emil Kneiß verbrachte zusammen mit seiner Frau Kathi sehr oft dort seinen Urlaub (laut Auskunft seiner Enkelin).

Diese Karikaturen zeigen die eher unangenehmen Seiten eines Urlaubs.


Urlaub 1932

Dieses Auto, ein Hanomag 2/10, wurde im Volksmund „Hanomag Kommissbrot“ genannt und war der erste deutsche Kleinwagen, der ab 1925 in Fließbandfertigung entstand. Sein Preis lag bei etwa 2000 Reichsmark; dafür bekam man schon fast ein Einfamilienhaus.

Es gab die Redewendung: ein Kilo Blech, ein Kilo Lack – und fertig ist der Hanomag!

Und so sieht ein Kommissbrot aus!
kommissbrot

Ein anderes berühmtes Auto aus der Zeit um 1930 war der ‚Dixi‘. Es wurde seit 1928 als Lizenznachbau von der Fahrzeugfabrik Eisenach hergestellt; auch nach deren Übernahme durch die Bayerischen Motorenwerke wurde es noch in Eisenach gefertigt. Kneiß könnte hier eben dieses Auto gezeichnet haben.