Das Oktoberfest

1928-1932

1812 erstmals gefeiert, ist das Münchener Oktoberfest zu einem weltweiten Begriff geworden. Gäste aus ganz Europa streben Ende September zur Theresienwiese. In den „Goldenen Zwanziger-Jahren“, die eigentlich nur von 1925 bis 1930 gingen, spiegelte das Oktoberfest die zunächst eingetretene wirtschaftliche Erholung, aber auch die anschließende Weltwirtschaftskrise wieder.

Heinrich Held, mehrfacher Dr. h.c., war von 1925 bis zu seiner Absetzung durch die Nationalsozialisten im März 1933 bayerischer Ministerpräsident. Anton Fehr lehrte von 1919 bis Oktober 1935 als ordentlicher Professor für Milchwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan; von Juni 1924 bis Juli 1930 amtierte er als Bayerischer Staatsminister für Landwirtschaft und Arbeit.

 

Wenn i wüßt‘, daß si‘ mei Zenzl als Meerjungfrau abrichten lass’n taat, schickat i’s‘ raus, aber sie werd halt z’weni Fisch sei! 

 

Was möchst Du, von die Affen abstamma möchst Du, des taat Dir a so passn

Ein heulendes Kind, das angesichts nach oben gerutschter Rocksäume seine Mutter nicht mehr findet: damit bestätigt Emil Kneiß die Theorie der Rocklänge, die besagt, dass bei anziehender Konjunktur auch die Säume der Frauenröcke nach oben gehen. Die sogenannten „Goldenen Zwanziger“ begannen etwa 1925 und die Röcke wurden bis 1928 immer kürzer.

 

Auch am Oktoberfest ging es nicht ohne handfeste politische Diskussionen ab. Bei einer Massenkundgebung der NSDAP gegen den Dawes-Plan am 30. September im Berliner Sportpalast kommt es zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten.


Oktoberfest 1929

In jedem Jahr, wenn’s herbsteln tuat,
Gehts auf da Wies’n los;
De Bierpaläst, die Achtabahn
Und gar de Bräuaroß.

Des olles muaßt da oschaugn, Bua,
Des is aa wahre Freud,
Jedoch das ollaschönste is
’s Panoptikum für d’Leut.

Da sieghst du die Selbständigkeit,
Von Bayern durchs Spektivi;
Den neuen Reichsbannerdrilling aa,
Hoib Schuah und hoibat Stiefi.

 

Und dann an Deputatus gor,
Der auf Diäten vozicht.
Und aan Minister vom Finanz,
Der schwimmt im Gold ganz dicht.

Dann sieghst du da noch einen Mann,
Der is abbaut, ohne Zweifi,
Weils ’n Staat vereinfacht hab’n –
Da hab’n mirs! Teifi! Teifi!

Zu guater Letzt, derfst aa no sehngn,
Aan Michi auf’n Topf;
Der gangat aa auf d‘ Wies’n gern,
Aba – huastn muaß da Tropf. –


Oktoberfest 1930

A „Wasserl fürs Visier“
Nahm er in Schnaps und Bier,
Sein Schützenaug wird stier,
Jetzt sieht er zwanz’g Visier‘!

 

Bluatsau, bei dem Wiesen-Wetter
Friert’s sogar an Samojeder,
Dösmoi hat sich doch der Petrus g’irrt,
Weil uns das Bier im Maßkrug g’friert.

„Siegst, Oiti“, sogt der Händler Meier,
„Aa söchats Weiberts kaam nöt teuer,
Dö hamm de Teller glei am Gfries,
I glaub, daß dös wos Praktisch is.“

Der Schausteller und Kinounternehmer Carl Gabriel setze seine schon vor dem 1. Weltkrieg begonnenen Völkerschauen auch 1928 mit der „Riesen-Völkerschau“ und 1930 mit den „Lippennegerinnen“ fort. Emil Kneiß hatte für Carl Gabriel schon kleine, animierte Kinowerbefilme gezeichnet.

Nach dem Kampfe der Parteien,
Tut der Mensch sich hier erneuen,
Und um zehne auf der Wiesen
Siehst die deutsche Eintracht sprießen.

Der zweite Mann von links kann der kommunistischen Partei zugeordnet werden, da Kneiß diese Partei stets so symbolisierte; der Mann mit Gamsbarthut dürfte die Bayerische Volkspartei darstellen. Mit dem Mann rechts vorne könnte Kneiß Alfred Hugenberg, den Führer der Deutschnationalen Volkspartei, gemeint haben. Barttracht, Hut und der auf dem Hut angedeutete Reichsadler würden dazu passen.


Oktoberfest 1931

Eine eigene Zeichnung zum Oktoberfest gab es in diesem Jahr nicht; wegen der Weltwirtschaftskrise waren die öffentlichen Kassen genauso leer wie die privaten. Seit 16. September 1931 war Fritz Schäffer als Staatsrat mit der Führung der Geschäfte des bayerischen Finanzministeriums beauftragt.


Oktoberfest 1932

Nach dem Rücktritt des Präsidialkabinetts Brüning am 30. Mai beauftragt Reichspräsident Paul von Hindenburg Franz von Papen mit der Bildung eines neuen Kabinetts, das wiederum nur mit Notverordnungen nach §48 regiert.

Franz von Papen als Steckerlfischbrater wird vom bayerischen Löwen argwöhnisch beäugt. Die Herren dahinter symbolisieren (von rechts) die Kommunisten, die Bayerische Volkspartei, die Nationalsozialisten, die Sozialdemokraten und das Zentrum(?).

Herr Nachbar, was sag’n Sie zur Lage,
Ist sie nicht kritisch ohne Frage?“
beginnt der eine ein Gespräch,
Dieweil die Musi spielt von Blech.

der andere trinkt, setzt z’rück den Krug
und sagt nach einem tiefen Zug:
„Die damisch’n Teife’n hab i dick,
Die auf der Wies’n red’n von Politik!“

Den unerwünschten Gesprächspartner stattet Kneiß mit den Attributen des ‚Kommunisten‘ aus: Schlapphut und zottig-langer Bart.

 

Den Lukas hau’n, gibt Kraft und Spaß,
„Sieg’st“, sagt die Frau, „so macht man das!“
Der Mann meint, „laß des Ding in Ruah‘,
Mir san ma selba g’haut scho gnua!“