Löwe gegen Adler

München gegen Berlin

Die Verfassung der Weimarer Republik war wenig föderalistisch; dies führte immer wieder zu Auseinandersetzung mit Bayern, dem Bundesland, das die größte Eigentradition hatte. Zudem fühlten sich die Politik hierzulande als „Ordnungszelle Bayern“.

Auf dieser Karikatur vom 31. Dezember 1928 findet man zum ersten Mal Adler und Löwe, letzterer noch ohne Lederhose, dafür aber schon mit Virginia. Kneiß lässt die Bavaria noch öfter von ihrem Sockel herabsteigen; er hatte sie in seinem Atelier am Bavariaring ja täglich vor Augen. Allerdings trägt Bavaria einen modischen Bubikopf, nicht mehr ihr wallendes Haupthaar; der Siegeskranz hängt an dem unter den Arm geklemmten Schwert. Der Rocksaum ist deutlich in die Höhe gerutscht. Und hat sie ihren Löwen da nicht einfach mit zur Kartenlegerin genommen?


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Der Löwe an der Bavaria, meist nicht direkt beachtet, sieht gleichwohl sehr grimmig drein. Ihn hat Kneiß hier in voller Aktion gezeichnet.


Das Bier, das in Bayern als Nahrungsmittel und nicht als Genußmittel galt, sollte immer wieder durch höhere Steuern zur Sanierung der Staatsfinanzen beitragen. Da wurde der bayerische Löwe im Februar 1929 aber regelrecht gewalttätig!


Bei der Reichsgründung 1871 wurden Bayern noch sog. Reservatsrechte für Post und Eisenbahn zugestanden; bis 1920 gab es darum noch eine bayerische Post. Der Poststaatsvertrag zwischen Bayern und dem Reich am 1. April 1920 sah immerhin noch den Fortbestand einer partiellen bayerischen Eigenständigkeit auf dem Gebiet des Postwesens vor. Diese Eigenständigkeit wurde dann 1931/1932 endgültig aufgehoben.


Der Young-Plan war der letzte der Reparationspläne zur Begleichung der deutschen Schulden nach dem Versailler Vertrag.  Er wurde im September 1929 weitgehend ausgehandelt. Löwe und Adler sind nun gleichermaßen betroffen; der Adler weint bittere Tränen.

Das Gedicht stammt von Hauptschriftleiter Dr. Adlmaier.


Jetzt is die ganz die narrisch Zeit,
Wo alles steht am Kopf,
Regieren tut Unsinnigkeit
Mach dir in d‘ Nas’n an Knopf.

Da is amal da boarisch Löw,
Der macht an Preißn – äh!
Da preußisch Adler jodelt laut
Als Goasbua: „Duliäh!“

Es tanzt mit der Miß Rosarot
Herr Graf ein Tänzchen, siehste,
Der Schutzmann aber bringt in Trab
Was Kommunismus iste.

Soweit war all’s ganz schö und guat
Und d’Narrheit aa verständlich,
A jeder tragt halt seining Huat
Wurd’s nur mal anders, endlich.

Doch die Geschichte nicht mehr stimmt
Mein Freund – das ist der Graus,
Wenn auch der Aschermittwoch kimmt
Bei uns geh’n d’Narr’n net aus.


Im August 1931 konnte die Industrielokomotive nicht mehr so ziehen wie zuvor in den „Goldenen Zwanzigerjahren“, da die äußeren Umstände (Weltwirtschaftskrise) es nicht mehr zuließen.

Nicht mehr Deutschland über alles
Sondern Deutschland voller Dalles!
Hilft der Schnellzug auch nix mehr;
Solang nicht sind die Gleise leer.

Dalles (jiddisch) = Armut, Notlage