Die Arbeiter

Kneiß war vom Elternhaus her den Kreisen der Sänger und Schauspieler zugetan; mit materiellen Gütern war man nicht gesegnet. Aber da Emil zeichnerisch ungemein begabt war, durfte er nach einem sechsjährigen Realgymnasium und einer Lithografenlehre noch die „Akademie der Schönen Künste“ in München besuchen. Durch sein ungemein geselliges Wesen fand er Aufnahme in Studenten- und Radfahrergemeinschaften, also zu dieser Zeit eher begüterten Kreisen. Die Arbeiterschaft wurde dort ignoriert; im Radfahr-Humor kamen Arbeiter erst vor, als die Preise der Fahrräder fielen.

Arbeiter einst und jetzt

Diese beiden Bilder (nicht von Kneiß) stammen von 1890 und sind zu dieser Zeit noch Zukunftsmusik, denn Hochräder waren für Arbeiter nicht erschwinglich. Aber der Zeichner ahnte doch, dass das Fahrrad für die Arbeiterschaft in nicht allzu ferner Zukunft eine große Erleichterung für den Weg zur Arbeit bringen würde.


Anarchistenversammlung der Zukunft

1895 zeichnet Kneiß hier eine Versammlung von Arbeitern, die auf freiem Felde in Sichtweite der Fabrik stattfindet. Der Redner, der zu Anarchie aufruft, hält eine Bombe in der Hand. Der Korb des (sehr gebräuchlichen) Lastendreirads wird zur Rednertribüne.

Als der Ruf: „Die Polizei kommt“ ertönt, stiebt die Versammlung auseinander. Nur einige der Arbeiter fahren noch mit Hochrad; die meisten können dem Zugriff der Polizei mit Niederrädern entfliehen. Die Polizei (oben am Ende des Weges) ist wohl nur mit Pferden ausgerüstet und damit deutlich langsamer als die Arbeiter. Letzten Endes spricht aus den Bildern die Hoffnung, dass das Fahrrad die Bedingungen für die Arbeiter verbessern wird.


Das Fahrrad ein Verkehrsmittel

Fahrräder, insbesondere zunächst die Hochräder, waren zunächst Sportgeräte, günstiger und schneller als Pferde. Es gab Wettbewerbe für Schnelligkeit und Distanzfahrten, z.B. Mailand-München. Erst die Arbeiter entdeckten das Fahrrad als Mittel, um den Weg zur Arbeit schneller und bequemer zurückzulegen.Die vornehmen Kreise sahen freilich sogleich die Möglichkeit, eine „Fahrrad-Steuer“ einzuführen.

Mit Autos und Fahrrädern geht es ins Grüne

Da die Straßen um 1900 nur für die Geschwindigkeiten von Kutschen und Pferdefuhrwerken angelegt waren, führte das bei Fahrrädern und Automobilen zu enormer Staubentwicklung. Bei Radfahrbahnen kam man zuerst auf die Idee, den Boden mit staubbindendem Teer zu besprühen.

 


Unsere Dienstboten beim Stellenwechsel (Einst)

1903, Aus dem „Schnauferl“

 

 

Unsere Dienstboten beim Stellenwechsel (jetzt)

Ein praktisches Lastendreirad ersetzt den Schubkarren; alles Gepäck einschließlich der Hutschachtel findet Platz. Ein Schutzmann erfreut sich an dem hübschen Anblick.

 

 

Unsere Dienstboten beim Stellenwechsel (in 10 Jahren)

Nunmehr wird das neue Zimmermädchen des Herrn Offiziers (mit Säbel und Zigarre) mit einem Automobil abgeholt; die „Neue“ hat nicht nur ein Fahrrad dabei, sondern auch diverse Sportutensilien. Aber dass sie sogar das Automobil selbst steuern darf: das geht dem Ehepaar am Straßenrand über die Hutschnur. Dem Arbeiter mit der Ballonmütze freilich gefällt das ungemein.