Wuz, das Schwein

Vom Schwein im Allgemeinen

 

Schon seit Jahren war mir bekannt, dass Emil die Bilder zu einem „Vers-Epos“ aus der Feder Fritz Brentanos gezeichnet hatte. Fritz Brentano (1840-1914) dichtete in pfälzischer Mundart, aber auch hochdeutsch; daneben war er auch Dramatiker, Redakteur, Regisseur und Schauspieler. Einen Wikipedia-Eintrag über ihn gibt es nur auf pfälzisch.

Wie die Verbindung zu Emil Kneiß zustande kam, ist unbekannt. Da Brentano in Berlin starb, hielt er sich wohl des öfteren dort auf, also vielleicht auch 1889/90, als Kneiß bei Professor Knille studierte.

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Vom Schwein im Allgemeinen

[Von] allen Viechern auf der Welt
Am besten eines mir gefällt,
Weil es in stolzer Weltbetrachtung
Und philosophischer Verachtung
All‘ dessen, was Cultur man nennt,
Durch’s Dasein mehr sich wälzt als rennt
Und struppig-ruppig, ungenirt,
Ein Leben con amore führt.

Und wenn als Daseins-Element
Der Fisch nur klare Wasser kennt,
Der Adler auf der Bergeshöh‘,
Der Ochse sich vergnügt im Klee,
So fühlt im dicksten Pfuhl allein
Sich wohlig nur das edle Schwein,
Dieweil, beseelt von inner’m Werth,
Sich’s nicht an all den Schwindel kehrt,
Den uns’re sogenannten Weisen
Als Existenzbegriffe preisen.

 

Ob auf der Flur im Sonnengold
Es schnüffelnd seines Weges trollt,
Ob’s aus dem Mist, hoch aufgekarrt,
Sich schmunzelnd ein Bonbonchen scharrt,
Ob es der Knecht, den dies verdrießt,
Mit einer Flüssigkeit begießt,
Die nicht gerade als „mille fleurs
Sich offenbaret im Odeur,

Ein Knecht schüttet einen Kübel mit Jauche auf ein Schwein
Eine Magd gibt einem Schwein einen Tritt

 

Ob ihm die Magd mit kräft’gem Fuß
So en passant den Liebesgruß
Auf seinen Hinterschinken drückt –
Sein Gleichmuth bleibt stets unverrückt;
Und lächelnd denkt das edle Schwein:
„Man immer zu! Was kann das sein?“
Grunzt vor sich hin und wälzt im Hof
Sich stillvergnügt – ein Philosoph!

Ein Schwein wälzt sich im Schlamm
Lob des Schweines

 

 

[Und] wie lieblich und erhaben
Sind die ed’len Gottesgaben,
Die das Schwein seit ält’ster Zeit
In der Menschheit Dasein streut.
Schon als Kindlein blond und klein
(Ferkel nennt man’s bei dem Schwein),
Labt es knusprich-braun und lecker,
Aug‘ und Magen aller Schlecker,
Während es dann ausgewachsen,
Von dem Kopf bis zu den Haxen,
So viel Gutes uns bescheert,
Daß man staunend es verehrt.
Kann uns denn was Schön’res winken,
Als ein rosig-zarter Schinken,
Den selbst der gemeinste Geist,
Die Trichine, dankbar preist,
Wenn sie mieth- und steuerfrei
Schwelget in der Schweinerei.
Preßkopf, Sülze, Schwartenmagen,
Von dem Braten nicht zu sagen,
der für Manchen etwas fett,
Doch im Ganzen äußerst nett.
Dann die Würste groß und klein –
Ja vielseitig ist das Schwein

 

 

Und es regt den weisen Mann
Oefters selbst zum Denken an.
Ich, zum Beispiel, sag‘ mir nämlich:
O, wie war der Moses dämlich,
Daß er solches nicht erkannte
Und den Schinken streng verbannte,
Daß´die Wurst, die Jeden letzt,
Auf den Index er gesetzt,
Und das Eisbein, mild und süß,
Schnöd‘ bezeichnete als „mieß“.
Mögen drum ihn And’re preisen
Als den Weisesten der Weisen
Und den Träger neuen Lichts:
Von dem Schwein verstand er Nichts!

Moses lehnt das Schwein ab
Der Sänger des Loblieds

 

Aber ich, seit früh’ster Jugend
Schon begeistert von der Tugend,
Die das edle Rüsselthier
Täglich übet für und für,
Da es für die Menschheit sich
Mästet frohgemuthiglich –
ich greif‘ kühnlich in die Saiten,
Ehr‘ und Ruhm ihm zu bereiten.
Mag die Welt mir darum grollen,
Mit der Leyer Klang, dem vollen,
Tret‘ ich für das Edle ein
Und besinge –

Wuz das Schwein im Medaillon