Schliersee

Schon früh war Kneiß in Schliersee mit einem Vorhang für das neue Bauerntheater tätig. Doch war man leider mit seiner Arbeit nicht sehr zufrieden. Nicht ganz 50 Jahre später war er wieder in Schliersee; was er dort in einem Ferienheim schuf, ist heute noch zu sehen.

Die Suche nach einer Heilquelle (in Schliersee)
Die Suche nach einer Heilquelle (in Schliersee)

Beim „Großen Bruder Tegernsee“ hatte man bei Bohrungen nach Erdöl 1904 dieses auch entdeckt, allerdings war die Ausbeute gering. 1909 fand man in noch größere Tiefe eine starke Jod-Schwefel-Quelle, aus der ab 1910 der schnell wachsende Kurort Bad Wiessee entstand. Am Schliersee suchte man ab 1924 auch zunächst nach Fundstätten für Eisen oder Braunkohle; dabei kam die Idee auf, man könnte doch auch nach einer Heilquelle wie am benachbarten Tegernsee suchen. Die Bohrungen wurden mit großem Elan und kräftigem Kapitaleinsatz begonnen; allein, es fand sich auch in 600m Tiefe kein (heilsames) Wasser. Die Bohrungen wurden im September 1928 endgültig eingestellt, was Emil Kneiß am 7. Oktober 1928 zu der nebenstehenden Karikatur anregte.

Im Heft Nr. 165 der Zeitschrift „Tegernseer Tal“ findet sich ein Bericht über diese Bohrung; die ersten drei Seiten lassen sich hier nachlesen: Tegernseer-Tal

Detail aus der Ausmalung der Bauernstube
Karl-Haiderstraße 8 in Schliersee

Dieses Haus, von einem Baumeister als eigenes Wohnhaus grundsolide gebaut, wurde 1940 von den Jenaer Glaswerken erworben und zu einem Ferienheim umgestaltet. Sicher versprach Emil Kneiß in einer geselligen Runde, bei der Neueinrichtung seinen Beitrag zu leisten. In der „Bauernstube“ malte er für jeden der zwölf Monate des Jahres eine lustige Szene in die Füllungen zweier holzgetäfelter Seitenwände; und die Füllungen der beide Türen erhielten auch eine Bemalung. Der jetzige Eigentümer war so freundlich, für das Fotografieren den Zugang zu gewähren; er gestattete auch die Veröffentlichung auf dieser Website.

Januar: ein fröhliches Paar auf dem Schlitten
Februar: ein dicker Trachtler mit einer verführerischen Schönen beim Tanz
Bild März: Bäume schneiden und Garten umgraben
April: Kinder beim Ostereiersuchen; der Osterhase schaut zu!
Mai: Ein Bub jagt einen Käfer am Kopf des schlafenden Vaters
Bild Juni: eine Schöne im zweiteiligen Badeanzug landet auf dem dicken Bauch eines Mannes
Juli: Beim Bergsteigen wird einer wohlbeleibten Dame nach oben geholfen
August: Ein Bauer wetzt seine Sense; am Erntewagen sind ein Pferd und ein Ochse eingespannt.
September: der Eigentümer eines Apfelbaumes ärgert sich über einen unwillkommenen "Erntehelfer"
Oktober: Der Vater tranchiert die Kirchweihgans; Mutter, Kinder und der Hund sind erwartungsfroh
November: Ein bebrillter Jäger sieht nicht den Bock ganz in seiner Nähe
Dezember: Ein gestrenger Nikolaus vor reumütigen Kindern
Türfüllung I: Eine hübsche Schöne mit Gretlfrisur geht 'mit den Hühnern' zu Bett

Türfüllung I: Eine hübsche Schöne mit Gretlfrisur geht ‚mit den Hühnern‘ zu Bett. Ihr Blick ist durchaus einladend!

Türfüllung II: Ein Knecht muss mit dem ersten Hahnenschrei aus den Federn

Türfüllung II: Ein Knecht muss mit dem ersten Hahnenschrei aus den Federn. Seine Freude hält sich in Grenzen.

Aus Carl Drehers "Kirchweih": Der Moar von Emil Kneiß
Der Vorhang für das Schlierseer Bauerntheater

Emil Kneiß‘ Vater war von 1872 bis zu seinem Tode 1900 am Gärtnerplatztheater tätig, zuletzt als Sekretär. Dadurch kam vermutlich der 21-jährige Emil Kneiß zu der Ehre, für einen Gedichtband von Konrad Dreher 1888 die Zeichnung „Der Moar“ beisteuern zu dürfen. (Dieselbe Ehre wurde u.a. auch Diez, Stuck, Kaulbach, Grützner, Defregger zuteil.) Dreher war ab 1880 als Charakter- und Gesangskomiker für Jahrzehnte eine der Stützen des Theaters am Gärtnerplatz.
Als Konrad Dreher 1892 zusammen mit Xaver Terofal das Schlierseer Bauerntheater gründete, erging an Emil Kneiß der Auftrag, einen Bühnenvorhang zu entwerfen und auszuführen. Aus der Festschrift zum 100jährigen Bestehen dieses Bauerntheaters stammt die Abbildung des Entwurfs.

Entwurf zum Bühnenvorhang des Schlierseer Bauerntheaters
Der Bühnenvorhang des Schlierseer Bauerntheaters von Emil Kneiß

Dieses Bild des ausgeführten Bühnenvorhangs stammt aus einem kleinen Geheft, das sich in der Universitätsbibliothek Passau (!) fand. Es erschien drei Jahre nach der Eröffnung des Theaters; der Autor war da voll des Lobes über den Vorhang.

„Das von E. Kneiß in München gemalte Bild auf dem Vorhang stellt den Gipfel des Wendelsteins dar, der eben von etlichen Touristen erklettert wird. Der Führer hat die Spitze bereits erklommen. Seine Liebste die Sennerin von der nächsten Alm, mit der Linken ums Mieder fassend und herzhaft an sich drückend, schwingt er mit der Rechten sein Hütl und läßt offenbar einen lustigen Jodler los. Unter dem glücklichen Paar haben sich einige Touristen, richtige „Bergfexen“ um ein Feuer gelagert, deren spindeldürr in mächtigen Wadenstrümpfen steckende Gebeine bedenklich zu schlottern scheinen. Noch weiter unten ist ein weiterer Bergkraxler schweißtriefend bemüht, seiner für solche Strapazen etwas zu corpulenten Gemahlin den letzten Aufstieg zu erleichtern. Ein Wegweiser deutet den „Abstieg nach Schliersee“ an, das man tief unten in anmuthiger Seelandschaft liegen sieht. Das Bild ist mit Humor entworfen und ausgeführt.“

Dieser Vorhang ist von den „Schlierseern“ meist auf ihren Gastspielreisen mitgenommen worden; was den Vorhang dann auch wohl so sehr „mitgenommen“ hat, dass er heute verschollen ist.

Der zweite Vorhang des Bauerntheaters nach dem Entwurf von Kunz Meyer-Waldeck

Der Kneißsche Vorhang fanden offensichtlich keinen Gefallen bei der Presse und bei den Malerfreunden von Conrad Dreher. Der Vorhang passe nicht zu den Stücken, er sei der „Schlierseer“ nicht würdig. Der Kunstmaler Kunz Meyer-Waldeck wurde beauftragt, einen neuen Vorhang zu entwerfen. Dessen Ausführung war dann eine Gemeinschaftsarbeit der Künstlervereinigung „Allotria“; so sollen die Engel am rechten oberen Bildrand von Friedrich August v. Kaulbach stammen. Conrad Dreher als zentrale Figur wurde zum Apoll stilisiert, Xaver Terofal lugt dagegen bescheiden aus dem Hauseingang.

Conrad Dreher scheint Emil Kneiß fortan nicht mehr sehr gewogen gewesen zu sein; in seiner Autobiografie „Abreißkalender meines Lebens“ zählt er an die dreißig Maler auf, mit denen er Kontakt hatte. Emil Kneiß ist nicht darunter.