Besondere Postkarten

Die Postkarte, ursprünglich „Korrespondenzkarte“, entwickelte sich um die Wende zum 20. Jahrhundert zu einem wahren Renner. Kneiß zeichnete zu den Themen Bier, Salvator, Hofbräuhaus solche Karten, denen ein langhaltender Erfolg beschieden war.

 

Wir halten fest und treu zusammen!

Erst wenn Post und Eisenbahn
ganz dem Adler unterthan

Und der Löw‘ der Jarde gleicht
Ruft Berlin: „Es ist erreicht!“

Diese Kneiß-Postkarte ist ein Kabinettstück zur preussisch-bayerischen Geschichte um die vorige Jahrhundertwende. Die Bavaria schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, denn ihr Löwe wird vom Flügel des preussischen Adlers, der eine Matrosenmütze trägt, umfangen. Der Löwe zieht noch eine Lokomotive hinterher und hält eine bayerische Briefmarke als Fahne, denn Post und Eisenbahn blieben nach der Reichsgründung 1871 noch unter bayerischer Verwaltung. Dieser arme und offenbar abgemagerte Löwe muss bereits eine (preussische) Pickelhaube tragen; im rechten Auge trägt er ein Monokel wie ein preussischer Offizier. Ganz auffallend ist aber der Schnurrbart des Löwen nach dem Vorbild Wilhelms II. Darauf spielt auch das Gedicht an, denn „Es ist erreicht!“ war der Reklamespruch des kaiserlichen Hoffriseurs Francois Huby.

Im rechten Flügel des preussischen Adlers versteckt sich ein bayerischer Raupenhelm; das „L“ darauf bezieht sich noch auf Ludwig II. Nach dessen Tod 1886 wurde in der bayerischen Armee der Raupenhelm durch die preussische Pickelhaube ersetzt.


Dicke Freundschaft

Ach was doch zu leiden hat
Die Liebe in Marienbad,
Will man herzlich mit den Lippen
Liebewarm zusammentippen,
Kommt man nie zu solchem Glück,
Dazu ist man viel zu dick.

Diese Kneiß-Postkarte wurde von Marienbad aus nach Wien abgeschickt. Der Absendestempel zeigt das Datum 10.8.1900, der Ankunftsstempel (das war damals so üblich) 11.8.1900. Die Karte wurde also innernhalb eines Tages aus Böhmen nach Wien transportiert!


Eigentlich eine Salvatorkarte, fand dieses Motiv trotzdem den Weg ins Ruhrgebiet, in die Bierstadt Dortmund. Sie erhielt als Motto „so fast as dürpem“, den Wahlspruch der Dortmunder. „So uneinnehmbar wie Dortmund“ entstand schon 1389 nach dem Ende der Großen Dortmunder Fehde.


Diese Karte ist eine der ersten von Emil Kneiß, denn er signiert noch mit EKM in einem Wappenfeld (linke untere Ecke). Sie wurde in Ala (heute Trentino, damals Österreich) vermutlich 1897 abgestempelt.

Da der Karte ein großer Erfolg beschert war, wurde sie nach 1905 erneut aufgelegt, nun mit verbesserter Drucktechnik (Heliocolorkarte!). Der Verkauf erfolgte sogar im Riesengebirge, wo es keine Almhütten und „Bergsteiger“ mit Wadlstrümpfen gab.


Das Thier und sei’s auch noch so klein,
Es kann uns doch ein Muster sein.

Man beachte, dass jedes der Mädchen einen eigenen Gesichtsausdruck erhalten hat!

Womöglich hat Kneiß das Spitzweg-Gemälde „Der Institutsspaziergang“ (1860) hier angeregt.