Reklame

Anzeigen, Plakate, Reklamemarken

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wandte sich Emil Kneiß mehr und mehr der grafischen Gestaltung von Plakaten, Anzeigen und Reklamebildern zu. Ab 1903 hatte er am Bavariaring Nr. 22, ein Jahr später auf Nr. 35, ein eigenes Atelier, das er „ATELIER für moderne REKLAME“ nannte.

Lehrer: Fritz, sag‘ mal; was ist „Torpedo“?

Fritz: „Torpedo“ ist die beste Freilaufnabe der Welt, von Fichtel und Sachs in Schweinfurt.

Diese Reklameanzeige von 1906 ist mehrfach interessant. Zum einen zeigt sie unten rechts den Eintrag: „E. KNEISS ATELIER f. moderne REKLAME MUENCHEN“. In der linken unteren Ecke steht „B.Z.06.“, weshalb anzunehmen ist, dass diese Anzeige in der Berliner Zeitung (B.Z.) 1906 erschien. Sie wurde auf einem rötlichen, kartonartigen Material gedruckt, das als Schutzumschlag für die auf dünnem Papier gedruckten Zeitungen diente.
Zum andern dokumentiert diese Anzeige, dass die „Torpedo-Freilaufnabe“ nach achtjähriger Entwicklungszeit ab 1903 gebaut wurde. Sie verhalf dem Fahrrad zum endgültigen Durchbruch als einem Individualverkehrsmittel.

Und nun noch dasselbe Motiv, aber farbig und als Reklamemarke!

Eine frühe Kneiß-Zeichnung von 1887 zeigte bereits ein ähnliches Motiv. Das hier angesprochene „Kangaroo“ war ein Hochrad, dessen Vorderrad über Pedale und je eine Kette angetrieben wurde. „Heinrich“ war vermutlich der Sohn von Heinrich Hildebrand, der als Herausgeber des „Fahrrad-Humor“ auch einen Velocipedhandel betrieb.

Am 7. Dezember 1888, vier Jahre nach der Vorstellung des ersten Niederrades „Rover II“ durch John K. Starley, meldete John Boyd Dunlop sein Patent für den ersten Fahrradluftreifen an; dieses wurde ihm aber versagt, da 40 Jahre zuvor schon sein Landsmann Robert William Thomson ein Patent auf einen vulkanisierten Gummireifen erhalten hatte. Dieses Patent war damals mangels Anwendungsmöglichkeiten in Vergessenheit geraten; nun aber wurden die „Pneumatics“ von den Fahrradherstellern und bald auch den Automobilbauern eifrig verwendet.

Beide Anzeigen aus dem „Schnauferl“ zeigen, dass Emil Kneiß auch bei eher seriösen Arbeiten immer eine gewisse Schalkhaftigkeit zeigte.

Kneiß war 1902 selbstkritisch genug, die allmählich überbordende Reklame für alle möglichen Produkte mit dieser Karikatur lächerlich zu machen. Auf den Schwimmhosen der Herren fanden sich noch Flächen, die man für Reklame verwenden konnte. Von „Herzlebkuchen sind die Besten“ (links außen) bis zu „neuest. Scherz-Artikel ‚Der kleine KOHN'“ (rechts außen) sind alle Reklame-Schwimmhosen gewinnbringend in Verwendung.


Die ersten Radfahrer (etwa um 1870) hatten nicht die Wege von heute zur Verfügung. Mit Hochrädern, die Reifen mit Eisen beschlagen, ging es frühmorgens oder spätabends (wegen des polizeilichen Radfahr-Verbots) über Sand- und Schotterwege. 1880 wird darum in München die erste deutsche „Radrennbahn auf der „Lautner’schen Eisbahn“ an der Auenstraße eröffnet. 1896 gab es in Perlach vor den Toren Münchens schon eine Radrennbahn, deren Kurven überhöht und mit Brettern beschlagen waren.

Kriegsmässige Ballon Verfolgung veranstaltet vom Deutschen Touring Club

Mit Wasserstoff oder Helium gefüllte Ballons wurden schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts verwendet, um für längere Zeit in der Luft zu bleiben. James Gordon Bennett jr., eher bekannt als Stifter der Gordon-Bennett-(Auto-)Rennen (1900-1905), stiftete 1906 einen Pokal für Ballonwettfahrten, den Coupe Aéronautique Gordon Bennett, den es bis heute gibt.

Die Militärs waren an diesen Gas-Ballonen sehr interessiert, so dass man 1914 schon von einer „kriegsmäßigen Ballonverfolgung“ sprach. Ahnte Kneiß den nicht ganz drei Monate später ausbrechenden Ersten Weltkrieg, wenn er, ganz und gar nicht maienhaft, das Verfolgerauto und den Ballon durch eine schwarz-weiße Landschaft fahren lässt? Es fehlt hier das bei Kneiß sonst allgegenwärtige humoristische Element.

Der veranstaltende „Deutsche Touring Club“ war ursprünglich einer der drei großen Radfahrerverbände in Deutschland; er bildete dann Unterabteilungen für Automobil-Touristik, Kajak und Segelsport. Die beiden letzteren existieren noch heute: Deutscher Touring-Kajak-Club (München) und Deutscher Touring Yacht-Club (Tutzing).

 

Als das Ende der Gordon-Bennett-Rennen absehbar war, stiftete der fortschrittsbegeisterte Maler, Universalkünstler und aktive Automobilist Hubert von Herkomer eine von ihm selbst gestaltete 40 kg schwere Sieger-Trophäe in Sterlingsilber für eine Tourenwagen-Zuverlässigkeitsprüfung. Diese sogenannten Herkomer-Konkurrenzen wurden dreimal (1905/1906/1907) ausgetragen.

Bei Plakat zum „Bauernball des S.C. Monachia“ lässt Kneiß einen Bauern listig mit dem genagelten Schuh den Rock seiner Tanzpartnerin lupfen.


Hier sind zwei Beispiele von Kneißschen Reklamemarken, die sich etwa ab 1860 aus den Siegelmarken für den Briefverschluss entwickelt hatten. Diese Marken waren damals wegen ihrer bildhaften, reklameorientierten Gestaltung als Sammelobjekte sehr begehrt. Im Unterschied dazu waren Briefmarken dieser Zeit eher langweilig, denn sie zeigten bestenfalls nur das Staatswappen oder den Kopf des Regenten.

Einwohnerwehr Bayern 1919/1920

1919 wurden auf Initiative der sozialdemokratischen Regierung Hoffmann die ersten lokalen Selbstschutzverbände aufgestellt. Im Verlauf der Ereignisse in Bayern und Berlin (Kapp-Putsch) entstanden jedoch enge Kontakte zur umsturzbereiten Rechten in Berlin. Mit Unterstützung der Einwohnerwehren konnte daraufhin Gustav Ritter von Kahr (1862-1934) eine Rechtsregierung bilden, die Bayern zur rechten „Ordnungszelle“ im Reich umzugestalten versprach.

Nur die Verschlussmarke, bei der eine umgebaute Sense als Waffe verwendet wird, stammt von 1920. Sie kann als Zeichen für den nunmehr aggressiveren Charakter der Einwohner-Wehren gedeutet werden.


Vier prächtige Verschlussmarken zum II. Süddeutschen Buchdrucker-Sängertag in München 1915
Mit Dank für die freundliche Unterstützung: buero papier & pappe, köln

Die Fahrzeugfabrik Ansbach fertigte Nutzfahrzeuge und Personenkraftwagen. 1917 fusionierte sie mit der Nürnberger Firma Karl Schmidt zu Fahrzeugfabriken Ansbach und Nürnberg AG, 1920 dann in FAUN-Werke AG umbenannt.

Mit Dank für die freundliche Unterstützung: buero papier & pappe, köln