Das Auto-Museum Dr. Carl Benz in Ladenburg

Carl Benz entwickelte seinen „Benz Patent-Motorwagen Nummer 1“ noch in Mannheim; seine Werkstatt befand sich im Quadrat T6. (Die Innenstadt von Mannheim ist in Quadrate aufgeteilt). Auf seinen Fahrten kam er auch öfter nach Ladenburg, einem geschichtsträchtigen Städtchen auf halbem Weg nach Heidelberg. Dort erwarb er Grundstücke sowohl für eine Fabrik <C. Benz Söhne> als auch für ein eigenes Wohnhaus. In den ehemaligen Fabrikgebäuden ist heute das Automuseum Ladenburg beheimatet, in dem Arbeiten von Emil Kneiß zu finden sind.

Emil Kneiß war auch ein begehrter Portraitmaler; im Automuseum Ladenburg hängt dieses Portrait von Carl Benz. Das Bild entstand laut Signatur im Jahr 1937; da C. Benz schon 1929 gestorben war, diente wohl die Fotografie aus der „Lebensfahrt eines deutschen Erfinders“ als Vorlage. Benz äußerte sich in seiner Biografie sehr positiv über den „Allgemeinen Schnauferl-Club“; er kannte darum sicher auch Emil Kneiß.

In einer Vitrine des Automuseums Ladenburg ist auch noch diese Urkunde von 1925 zu sehen. Dr. h.c. Carl Benz wurde zum Ehren-Schnauferl-Bruder ernannt; für das Präsidium unterzeichnete Gustav Braunbeck, der bis 1925 Präsident des Schnauferl-Clubs war. Die Zeichnung auf der Urkunde aus dem Jahr 1901, also einem Jahr nach der Gründung des Clubs, stammt wie erwartet von Emil Kneiß.  Das Fahrzeug ist ein „de Dietrich“ von einer gleichnamigen Firma (Lothringen/Elsaß).

Zwei Jahre zuvor hatte Kneiß ein ähnliches Bild für den „Radfahr-Humor“ gezeichnet; hier ist den Fahrern aber anzusehen, dass sie einen „Affen sitzen haben“.


Im Automuseum Ladenburg befindet sich auch eine etwa zwei Meter lange Glückwunschkarte, die der ASC an besondere Persönlichkeiten, in diesem Fall Eugen Benz, schickte. Den Fahnen nach zu urteilen entstand diese Karte nach 1933. Der Zeichner der Karte war Max Schaberschul, der sich an den äußersten linken Rand setzte. Nicht weit davon finden wir Emil Kneiß und Richard Braunbeck auf den Frauentürmen sitzen; Virginia, Maßkrug und eine Kellnerin sind unverkennbare Attribute. Der Herr rechts vorne mit Zirkel und Reißbrett ist Dr. h.c. Ferdinand Porsche, der ab 1934 mit der Konstruktion des „Volkswagens“ beauftragt war!

 


Gemälde im „Trommhaus“

Der „Allgemeine Schnauferl-Club Mannheim“ kaufte 1935 von den „Naturfreunden“ das als Wandererstützpunkt 1928 im Odenwald gebaute „Trommhaus“. Für dieses Haus malte Emil Kneiß große Tafeln, von denen sechs erhalten und im Automuseum Ladenburg zu sehen sind.

benz-werkstattDass das Gebäude im Hintergrund die Werkstatt von C. Benz in Mannheim darstellt, ist leicht nachzuvollziehen, ebenso, dass das Automobil rechts ein „Benz Comfortable“ ist. Aber was soll ein Herr mit Trachtenhut und Gamsbart in Mannheim, der offensichtlich an C. Benz (mit Geldbörse) einige (Geld-)Scheine überreicht? Des Rätsels Lösung liegt in der „Lebensfahrt eines deutschen Erfinders“ von Carl Benz. Dort erzählt er von einem „vornehmen Münchener“, der einen „Comfortable“ erwarb, aber auch sonst noch für einige Heiterkeit sorgte.

 

Dieses Gemälde zeigt die Aufstellung des als Stele gestalteten Denkmals für Carl Benz in Mannheim; der Wasserturm im Hintergrund ist das beherrschende Bauwerk Mannheims. Die feierliche Aufstellung fand am 16. April 1933, dem Ostersonntag, statt; die Stifter des Denkmals waren RDA (Reichsverband der Automobil-Industrie), AvD (Automobilclub von Deutschland), ASC (Allgemeiner Schnauferl-Club) und ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil Club). RDA, ASC und ADAC werden von E. Kneiß durch ihre Embleme identifiziert. Eine gewisse Pikanterie liegt darin, dass Kneiß die Träger des Denkmals im Stechschritt marschieren lässt, was bestimmt nicht der Fall gewesen ist. Andererseits zeichnet Kneiß im Jahr 1941 am Straßenrand jubelnde Menschen, die einfach die Hände hochrecken; als eine Erinnerung daran, dass im April 1933 noch nicht der „Deutsche Gruß“ allgemein verpflichtend war? Ob in den roten Fahnen auf dem weißen Kreis noch ein Hakenkreuz aufgemalt war, kann nicht festgestellt werden; eventuell wurde dieses nach 1945 übermalt.

Das Denkmal steht noch heute auf dem Augustusplatz in der Nähe des Wasserturms; in seiner unmittelbaren Nähe wurde vor einigen Jahren eine Nachbildung des „Benz Patent Motorwagens Nr.1“ aufgestellt.

Bei den nächsten Bildern griff Kneiß auf Situationen aus der Frühzeit des Automobilsports zurück. 1900 wurde in Frankfurt a. Main das erste Automobil-Bahnrennen ausgetragen; dabei ging es noch sehr gesittet zu. Das Ölgemälde von E. Kneiß ist leider heute verschollen.

 

Ob man sich dann beim Bahnrennen 1903, wieder in Frankfurt, in Seglermanier in die Kurve legte, mag dahin gestellt sein; jedenfalls zeichnete Kneiß dieses Bild für das „Schnauferl“.

Der „Allgemeine Schnauferl-Club“ wurde, im Gegensatz zu allen anderen deutschen Automobilclubs, 1933 nicht gleichgeschaltet. Hatte ihm da sein nicht ganz ernstzunehmender Name geholfen? Er konnte 1935 von den „Naturfreunden“ deren Tromm-Haus im Odenwald erwerben. Es wurde wohl in einer etwas aufwendigen Feier übernommen, an die sich Emil Kneiß 1941 sehnsüchtig erinnerte.

Diese Szene stammt aus einer Wettfahrt Mannheim-Pforzheim-Mannheim 1901, die in allen Klassen von Schnauferl-Brüdern gewonnen wurde. Die Umstände werden in der Festschrift des ASC von 1925 beschrieben; Emil Kneiß lässt diesmal das Ganze mit Heidelberger Schloss und Brücke im Hintergrund ablaufen.

Diesen „Autotyp“, der auf der Straße alle menschlichen und tierischen Hindernisse beseitigt, hatte Emil Kneiß schon zur Automobilausstellung 1904 in Frankfurt a. Main erfunden.