Emil Kneiß in den "Fliegenden Blättern"

Im Verlag „Braun & Schneider“ (München) erschien seit 1848 eine humoristische, reich illustrierte Wochenschrift mit dem Namen Fliegende BlätterKaspar Braun setzte für die Illustrationen Studenten der Kunstakademie ein, denen er ein geringeres und vor allem nur einmaliges Honorar zahlte. Einer dieser Studenten war ab 1859 der damals 27-jährige Wilhelm Busch.

Als der 20-jährige Emil Kneiß 1887 für den Radfahr-Humor zu zeichnen begann, wurde wohl Kaspar Braun auch auf ihn aufmerksam; in den Jahren 1889, 1894 (Kinderspielplatz in Kamerun) und 1898 (Praktische Verwertung von Denkmälern) erschienen dann Zeichnungen von Emil Kneiß.

 

Schnelle Wirkung

Schnelle Wirkung.

„Du, Fritze, ich weiß nicht was das ist! Wenn ich einen Schnaps sehe – liegt er mir immer gleich im Magen!“

 

Mit diesem Text wurde 1889 ein Kneißbild in den „Fliegenden Blättern“ abgedruckt; dabei ist unklar, wer diesen Satz spricht. Ein „Schnapsfreund“ ist eher der Mann links, der aber dem anderen zuhört, der wiederum ein Stamperl Schnaps vor sich stehen hat.

Die originale Zeichnung

Im Original der Zeichnung, das ich vor kurzem käuflich erwerben konnte, hat der „Schnapsfreund“ zur Linken drei Stamperlgläser vor sich, sein Gegenüber jedoch zwei. Und diese drei Stamperl ziehen durch das einfallende Sonnenlicht das Auge des Betrachters sofort auf sich. Für die Veröffentlichung wurden alle bis auf ein Stamperl wegretuschiert – und das Bild damit eigentlich verfälscht. Aber was sollte es ursprünglich zeigen?

 

Zwei Freundinnen der Kneißforschung, denen ich dieses Original zeigte, kamen spontan auf die Idee, es könnte sich um die „Kerschgeist“-Szene aus dem „Brandner Kasper“ handeln. Ja, damit wäre der Schnapsfreund der Boan(d)lkramer und der Brandner Kasper sein Gegenüber.

Nun begann die Suche nach dem Ursprung der Geschichte vom Brandner Kasper. Über Franz v. Kobell (1803-1882), den Autor der Erzählung, kam bald heraus, dass diese 1871 in den „Fliegenden Blättern“ veröffentlicht worden war. Hier geht es zu den ersten Seiten und hier zum zweiten Teil.

 

 

In der originalen Zeichnung hat der "Schnapsfreund" zur Linken drei Stamperlgläser vor sich, sein Gegenüber jedoch zwei.
Der Brandner Kasper zeigt dem Boanlkramer den Grasober
Auf dem Bild der Erstveröffentlichung hält der Brandner Kasper eine Spielkarte in der Hand; es ist also die

Grasober-Szene

Da sagt der Kasper: »Woaßt ‚was, mach‘ mar a‘ G’schpielei d’rum, pass‘ auf!« Und geht wieder an dees Kastl, da is a‘ Kart’n g’leg’n und der Grasober just ob’nd’rauf. Den schiebt der Kasper in sein‘ Joppn’irmi und legt na‘ d‘ Kart’n auf’n Tisch.

»Jetz‘ heb‘ Dir a‘ Häuferl aba, Boanlkrama«, sagt er, »dees is des Dei‘ und dees ander‘ is des mei‘. Wann jetz‘ Du in Dein‘ Häuferl ’n Grasober hast, so gehn i‘ mit Dir wann D‘ magst, wann aber i‘ den Grasober in mein‘ Häuferl ho‘, so derfst ma‘ nimmer kemma, bis i‘ 90 Jahr alt bi‘.«

Der Boanlkramer, der scho‘ a bißl an‘ Dampes g’habt hat, hat g’lacht und hebt ihm an‘ woltern Thoal ab und sagt: »Weg’n meiner, es gilt«, denn er hat ihm ‚denkt, weil er die mehrern Kart’n g’habt hat, kunnt leicht der Grasober dabei sei‘. Wier er jetz‘ seini Kart’n nachanander a’schaugt, steckt der Kasper hoamli‘ den Grasober in sei‘ Häuferl ’nei und wie der Boanlkramer mi’n A’schaug’n firti‘ g’west is, broat‘ der ander vor ihm sei‘ Kart’n aus und da geht halt richti‘ aa‘ der Grasober her. »Verdammti G’schicht’«, sagt der Boanlkramer, aber der Kasper lacht und sagt: »Trink‘ no‘ a Glaasl und lass‘ ma‘ den neunz’ger leb’n!«

 

 

Der Boanlkramer deutet auf drei vor ihm stehende Schnapsgläser
Auf dem Kneiß-Bild sind keine Spielkarten zu erkennen; aber vielleicht handelt es sich um die vorausgehende

Kerschgeist-Szene

»Boanlkramer, i‘ will Dir ‚was sag’n, mei‘ Vater selig is neunz’g Jahr alt wor’n und so alt will i‘ aa‘ wer’n, na‘ k’ost mi‘ abhol’n. Aber i‘ glaab‘, es is g’scheiter als die Rederei da, wann D‘ mit mir a‘ Glaasl Kersch’ngeist trinkst, i hon an‘ recht an‘ guat’n und Du schaugst ja so elendi‘ aus und sper, daß Dir a‘ Glaasl g’wiß guat thoa‘ werd‘ und a‘ paar Kirternudl hon i‘ aa‘ no‘ dazua.«

Und so geht er an a‘ Wandkast’l hi‘ und holt a‘ Flasch’l raus und a‘ paar Glaasln und die Nudln. ‚N Boanlkramer is ebbas selles no‘ nit passirt und setzt si‘ an‘ Tisch hi‘ und probirt den Kersch’ngeist. Der hat ihm woltern g’schmeckt und a‘ Nudl aa‘ und da trinka die zwoa (der Kasper hat fleißi‘ ei’g’schenkt) und der Boanlkramer is ganz allert wor’n; hat aber do‘ allewei‘ vo‘ die 90 Jahr ebbas abahand’ln woll’n.

 

Das deutsche „Schutzgebiet“ Kamerun wurde bereits 1884 begründet; die Schutzherrschaft bezog sich dabei vor allem auf den Schutz deutscher Handelsinteressen.

Da aus dieser „Kolonie“ vor allem die Existenz von „fliegenden Fischen“, Schlangen und Schildkröten gemeldet wurde, verarbeitete Kneiß 1894 diese Tiere zu „Spiel“-Geräten. Eine Schlange wird zum Seilspringen verwendet; eine andere wird zu einem Reifen gebunden, den ein Knabe dann mit einem Stock durch die Gegend treibt.

KInderspielplatz in Kamerun
Praktische Verwerthung von Denkmälern unter gleichzeitigem belehrenden Einfluß auf das Volk
Alternative Verwendung der Denkmäler für Schiller und Fraunhofer
Alternative Verwendung der Denkmäler für Justus v. Liebig und Pfarrer Kneipp