Ein Fingerling zur Jagd?

Im Privatbesitz eines Münchners befinden sich zwölf Originalzeichnungen von Emil Kneiß, deren komische Inhalte zu Spekulationen Anlass geben. Auf allen Bildern spielt ein Fingerling eine wichtige Rolle und elf der Bilder ist gemeinsam, dass Jäger oder Jagdszenen dargestellt werden.

 Ein Soldat auf Läuse-„Jagd“

Dieses Bild könnte der Ausgangspunkt für die übrigen gewesen sein. Ein Soldat zerdrückt mit einem metallischen Fingerling Läuse auf seinem Hemd. Da das Bild im Gegensatz zu den anderen schon Alterflecken aufweist, dürfte es während des Ersten Weltkriegs entstanden sein; dazu passt, dass Kneiß 1918 Postkarten gezeichnet hat, die das Lagerleben im Kriegsgefangenenlager Puchheim zeigen.

Ein mögliche Deutung der Bilder wäre nun, dass 1928 ein Jagdkollege von Emil Kneiß dieses Bild sah und dass sich dann ein lustiger Disput entwickelte, ob man denn einen solchen Fingerling auch zur echten Jagd verwenden könne – und dass sich dann Kneiß das nicht zweimal sagen ließ, sondern eben elf weitere Bilder mit Fingerling und Thema Jagd zeichnete.

 

Hier hat sich Kneiß zunächst einmal „warm“ gezeichnet.

Das Anlocken des Wildes durch Anblasen des Fingerlings (Anblattern“) könnte sogar Realität gewesen sein; aber der Fingerling als Kerzenhalter am Gewehr sollte wohl das sogenannte „Büchsenlicht“ persiflieren.

Dass es einem Jäger gelingt, durch einen Fingerling einen Fuchs aus dem Bau zu locken, ist nur mit sehr viel „Jägerlatein“ zu glauben.

Ob sich eine Ente wirklich auf dieses Weise anlocken lässt? Zwischen Wurm und Fingerling ist doch noch ein gewisser Unterschied.

Ein wilder Hund oder gar ein Wolf beisst sich am Fingerling die Zähne aus; es ist eben ein metallischer Fingerling!

Das Fingerling-Lasso dient dem Hirschenfang: ein argentinischer Gaucho würde das sogar akzeptieren, nur wären es bei ihm Kugeln und nicht ein Fingerling am Ende des Lassos. Der Lassowerfer hier ist zumindest als Wilderer gezeichnet.

Diesmal hat der Wilderer mit einem Gewehr ein Reh erlegt und will es ausweiden. Aber er erschrickt zu Tode ob des ausgestreckten Fingerlings!

Ein gar mutiger Jäger hält den Fingerling an die Mündung des Wilderergewehres und siehe da: es gibt einen Rohrkrepierer!

Alle, die der Jagd im Wege stehen, ob Bauern oder Spaziergänger, werden „abrasiert“. So schafft man der Jagd den nötigen Platz!