Verwendungen des Autos

Je schneller, stärker und comfortabler die Autos wurden, desto mehr Ideen hat Emil Kneiß für eine zusätzliche Verwendung dieser Fahrzeuge.

 

In ländlichen Gebieten war es für einen Landarzt vordem sehr schwierig, bei Nacht zu einem Patienten zu gelangen. Zu Pferd, aber oft auch nur zu Fuß, war das bei völliger Dunkelheit ein unheimliches Unterfangen. Die Kneißsche Idee einer Kreuzung aus Bett und Auto war die zwingende Folge. Und ein Telefon war auch schon greifbar!

Um im Meer baden zu können, wurden Badekarren verwendet. Bis zu sechs Personen gleichen Geschlechts betraten den Karren an Land und wechselten darin dann in die Badekleidung. Ein Kutscher zog mit Pferden den Karren in das nicht allzu tiefe Wasser und die Damen bzw. Herren gingen über die Hintertreppe ins nasse Element. Anschließend wurde der Karren wieder mitsamt Insassen an Land gezogen.

Bei diesem Modell von Emil Kneiß erhascht allerdings ein männlicher Badegast einen staunenden Blick auf eine reizende Badenixe; der Fahrer des Autels wird jedoch von einer Badenden nassgespritzt!

 

Ein wahrhaft seherischer Blick des Karikaturisten: ein Odelwagen (im Hintergrund) und ein Mistwagen, der fast schon einem Traktor ähnelt. Es dauert noch bis 1921, bis die Firma Lanz in Mannheim ihren „Bulldog“ vorstellte. Dieser war so erfolgreich, dass in einigen Gegenden Deutschlands „Bulldog“ ein Synonym zu „Traktor“ wurde.

 

Ein Rundpanoramen-Schnellmaler?

Emil Kneiß hat selbst mehrere Panoramen ausgemalt: 1897 das Herkules-Velodrom in Nürnberg, 1889/90 den Zirkus Renz in Berlin, 1906 das Adler-Velodrom in Frankfurt am Main. Er zeichnete dieses Bild also aus eigener Erfahrung.

„Rastelbinder“ nannte man umherziehende Kesselflicker und Siebmacher, die mit Wohnkarren und Familie von Dorf zu Dorf zogen. Es gab den Ausdruck: „Fahren wie ein Rastelbinder“, was ein übermäßig schnelles Fahren bedeutete. Für diesen nicht ganz ehrlich eingeschätzten Berufszweig wäre darum ein Fahrzeug wie das abgebildete ideal gewesen.

 

Die Vision von Richard Braunbeck (= T. Pollack) wurde von Emil Kneiß 1898 ins Bild gesetzt und schon fünf Jahre später Wirklichkeit. Die Firma Austro-Daimler entwickelte drei Jahre lang dieses Fahrzeug, das sie 1906 den Militärs präsentierte. Der Panzerspähwagen hatte einen Vierradantrieb mit Vollgummireifen und Geländeübersetzung, um auch Steilhänge überwinden zu können. Er war voll gepanzert und mit einer von Hand drehbaren Kuppel mit zwei Maschinengewehren ausgestattet. Da bei der Vorführung die Pferde der Offiziere scheuten, grantelte Kaiser Franz-Josef I. etwas von einer unbrauchbaren Erfindung – die Entwicklung wurde abgelehnt und später nach Frankreich verkauft. Näheres in Wikipedia.